DOCH ALLES GAR NICHT SO SCHLIMM

Während in Frankreich am vergangenen Wochenende über 160'000 Menschen (0.25% der Bevölkerung) gegen die drohende Impfpflicht auf die Strasse gingen, rechnet man für die Neuauflage der Kundgebung vom Bündnis der Urkantone mit 2'000 bis 3'000 Menschen (0.028% der Bevölkerung), welche sich dem Protest anschliessen werden.

 

In der Blüte des Widerstands gegen das evidenzlose Coronadiktat des Bundesrats schaffte es der "Stille Protest" in Liestal BL, mit über 8'000 TeilnehmerInnen immerhin rund 0.1 % der SchweizerInnen zu mobilsieren. Eine Studie besagt, dass rund ein Drittel der Bevölkerung eines Landes notwendig sei, um eine Regierung in ihrem Handeln massgeblich zu beeinflussen oder gar die politische Stimmung im Land zu kippen. Dies würde für die Schweiz voraussetzen, dass es dem organisierten Widerstand gelingt, mindestens 2,8 Mio. (2'800'000!) Menschen zu mobilisieren. Im Kontext zu den realen Zahlen eine reine Utopie, oder?

 

Die Frage nach dem "Warum" kann und sollte dringend gestellt werden, denn: Einerseits fühlt sich Herr und Frau Schweizer auch ob einschneidender Massnahmen immer noch sauwohl und denkt nicht im Traum daran, wegen ein paar Einschränkungen den Demonstranten zu mimen Ein Blick über den Landeszaun reicht, um selbstgefällig festzustellen: "Hier in der Schweiz ist doch alles gar nicht so schlimm. Deutschland oder Australien, da ist es so richtig schlimm. Uns geht es doch noch gut hier, oder?" Andererseits hat es der Widerstand selbst verpasst, seine MitstreiterInnen "bei Laune" zu halten. Stattdessen hat man sie an alle Enden der Schweiz geschickt, um dann vor Ort Mal für mal dasselbe Programm zu erhalten: Mit immer denselben Rednern, welche von den Organisatoren als Stimmen des Widerstands festgelegt werden und die immer wieder eine Plattform erhalten, um ihre Positionen zu transportieren, erinnern sie fast wie zufällig an unsere Behörden, welche gleichermassen festlegen, wer etwas zu sagen hat und wer nicht und welche wir dafür an solchen Demos öffentlich kritisieren.

 

Die Organisatoren solcher Veranstaltungen haben eines nicht verstanden: Eine Demonstration/Kundgebung hat immer auch Unterhaltungswert - oder eben auch nicht: Wer reist schon von Stadt zu Stadt, um dieselben "Künstler" wieder und wieder zu sehen und zu hören? Zudem verpassen sie es, den Widerstand mit all seinen vor allem den kleinen Gruppierungen zu einen, indem man diesen auch eine Stimme gibt. Nicht nur durch freiwilligen Obolus für das Logo auf dem Flyer, sondern mit der Würdigung ihrer Arbeit, welche fast ausschliesslich im Hintergrund und in der Regel ehrenamtlich erfolgt.

 

Wie auch immer: Wer Zeit und Lust hat oder es als seine heilige Pflicht erachtet, ist vom Bündnis der Urkantone eingeladen, am kommenden Samstag nach Luzern zu pilgern. Alle Informationen zur Veranstaltung gibt es hier.