GO'S AND NO GO'S

Während und nach dem unbewilligten "Spaziergang" durch Zürich am letzten Samstag erreichten uns teils verstörende Bilder einer völlig unverhältnismässig agierenden Zürcher Stadtpolizei. Mehrere Menschen wurden festgenommen und gebüsst.

 

Eine Woche später marschierten rund 900 Menschen für dieselben Anliegen durch die Stadt Zug. Die Zeitungsberichte darüber fielen allesamt sehr neutral und stets mit dem Vermerk aus, dass es während der gesamten Dauer der Demonstration zu keinerlei Zwischenfällen und keinen Bussen oder Festnahmen gekommen sei. Was unterscheidet den "Stillen Protest" von anderen Aktionen, welche zurzeit in der Schweiz stattfinden?

 

Unbekannte Organisatoren luden für den 30. Januar 2021 zum gemeinsamen "Spaziergang" nach Zürich. Mehrere Hundert Menschen folgten dem Aufruf über die sozialen Netzwerke und versammelten sich bei der Fraumünsterkirche. Weil aufgrund des geltenden Covid-19 Diktats Versammlungen mit mehr als 5 Personen momentan verboten sind, sah sich die örtliche Polizei veranlasst, diese Zusammenkunft zu verhindern und sperrte dafür den Zugang zur Münsterbrücke ab. Im Anschluss führten die Beamten Personenkontrollen durch.  Bilddokumentationen zeigen eine grobe Unverhältnismässigkeit seitens der Polizei den friedlichen Demonstranten gegenüber bis hin zu körperlicher Gewalt. Mehrere Dutzend Menschen wurden verzeigt und vier Personen vorübergehend festgenommen. Trotz dieser  Machtdemonstration seitens der vorwiegend jungen Polizeibeamten existiert  für den 13. Februar 2021 bereits ein Aufruf für einen weiteren Spaziergang durch Zürich.

 

So geht's

Gestern fand in Zug ein weiterer Marsch des Stillen Protests statt. Rund 800 Menschen nahmen daran teil. Vor, während und nach der Demonstration mit anschliessender Kundgebung gab es keinerlei Zwischenfälle, alles lief friedlich und im Sinne von Behörden und Veranstalter ab. Entsprechend milde fand im Nachgang die mediale Berichterstattung statt: Keine Erwähnung von Verschwörungstheoretikern, Coronaleugnern oder dergleichen, sondern einfach eine nüchterne Berichterstattung, so wie sie eben sein sollte.

 

Die Erkenntnis

Unbewilligte Demonstrationen ohne jegliches Schutzkonzept fordern die Behörden geradezu auf, dagegen einzuschreiten. Auch wenn die Demos in Zürich als "Spaziergänge" deklariert werden, sind heute und auch in naher Zukunft die geltenden Massnahmen das Mass, mit welchem die Behörden zu beurteilen haben, was geduldet wird und was nicht.

 

Der Stille Protest zeichnet sich darin aus, dass die Behörden von Anfang an mit ins Boot geholt werden und man konstruktiv mit ihnen zusammen arbeitet. Dies öffnet den Organisatoren Türen, welche normalerweise verschlossen blieben.  Das Konzept beinhaltet, dass die TeilnehmerInnen in Schutzanzügen und Gesichtsmasken laufen, womit ein Schutzkonzept hinfällig wird. Dazu kommt, dass sich die Menschen so viel eher getrauen, ihre Meinung oder auch ihren Unmut kund zu tun. Auch die Einheit wird gestärkt, wenn alle im gleichen Tenue marschieren. Nur so ist zu erklären, dass in Zug sagenhafte 800 Menschen in Schutzanzügen gelaufen sind. An der anschliessenden Kundgebung hätten laut Veranstalterin sogar fast 1'000 Menschen teilgenommen. Ein voller Erfolg auf der ganzen Linie. 

 

All jene, welche sich ebenfalls zum Aktivismus berufen fühlen, sollten nun zügig über die Bücher und lernen, wie man in einer solch schwierigen Situation richtig agiert. Dafür ist von den Akteuren Kreativität gefordert, denn solange sich Demonstranten gegen das "vermeintliche" Gesetz erheben und querstellen, wird ihre und die Glaubwürdigkeit des legitimen Widerstands darunter leiden.

 

Am 20. Februar 2021 findet in Wohlen AG der 5. Protestmarsch statt. Wird an diesem Wochenende die Tsusendermarke geknackt? 

 

Infos zum Marsch findest du unter stillerprotest.ch.